Atomausstieg stärkt die Braunkohle

Die Kühltürme sollen niedriger werden, der Wirkungsgrad höher. BoAplus ist die Zauberformel, mit der RWE Power Geld verdienen, Kritiker zufrieden stellen und die Herausforderungen der Zukunft bewältigen will.

RHEIN-ERFT-KREIS - Die Kühltürme sollen niedriger werden, der Wirkungsgrad höher. BoAplus ist die Zauberformel, mit der RWE Power Geld verdienen, Kritiker zufrieden stellen und die Herausforderungen der Zukunft bewältigen will. Anfang Oktober hat das Unternehmen die Einleitung des Genehmigungsverfahren beantragt. Die Aussichten sind gut. Die etablierten Fraktionen im Kreistag und in den Stadträten der Rhein-Erft-Kreiskommunen haben ihre Zustimmung signalisiert, Regionalrat und Landesregierung werden sich dem Ansinnen wohl kaum widersetzen.

Zumal RWE Power seit der Katastrophe in Fukushima und dem daraus resultierenden deutschen Ausstieg aus derAtomenergie ein neues Argument hilft: Wenn die Kernkraft abgeschaltet wird, ist die Braunkohle eine der Brücken in das Zeitalter der erneuerbaren Energien. Und das ganze Jahr 2011 hat sich RWE Power bemüht, deutlich zu machen, dass alte wie neue Kraftwerke dieser Herausforderung gewachsen sein werden. Flexibler müssen die Braunkohlenkraftwerke werden, umweltfreundlicher und effizienter.

BoAplus erfüllt nach Ansicht von RWE Power alle Kriterien. Mit einer beispiellosen Kampagne wirbt das Unternehmen für sein Vorhaben und um Akzeptanz in der Bevölkerung. Power-Chef Johannes Lambertz nutzt jede Gelegenheit, um die Vorteile von BoAplus vor allem im Zusammenspiel mit den erneuerbaren Energien zu preisen. Da die Sonne nicht immer scheine und Wind oft nicht die gewünschte Leistung erziele, sei es an den Braunkohlenkraftwerken, die Schwankungen auszugleichen und für Versorgungssicherheit zu sorgen. Liegt in etwa zwei Jahren eine gerichtsfeste Genehmigung vor, so könnte BoAplus etwa 2018 ans Netz gehen. Ist dies der Fall, verspricht der RWE- Power-Vorsitzende, vier 300-MW-Böcke in Niederaußem abzuschalten. Gleichzeitig warnt Lambertz vor allzu großem Widerstand: Der Grat für die Wirtschaftlichkeit eines solchen Projektes sei schmal. […]