EnBW prüft Schließung unrentabler Kraftwerke

Der Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergie trifft den drittgrößten Energieversorger EnBW besonders hart. Er musste bereits zwei seiner vier Atomkraftwerke stilllegen. Nun stellt der Mutterkonzern der Düsseldorfer Stadtwerke alle Standorte auf den Prüfstand. Die Wirtschaftlichkeit der Energieerzeugung aus Gas und Kohle habe sich in den vergangenen Monaten drastisch verschlechtert, sagte der seit Oktober amtierende Vorstandschef Frank Mastiaux, der gestern seine 100-Tage-Bilanz vorlegte. "Wir können gar nicht anders, als jeden einzelnen Standort zu hinterfragen."

Mastiaux will EnBW neu ausrichten und kündigte dazu das Umbauprogramm "EnBW 2020" an. Konkrete Schritte soll ein Strategieteam in den kommenden Monaten entwickeln. Bisher geht der Umbau nur langsam voran. Die Karlsruher gewinnen nur zwei Prozent ihrer Erzeugungskapazität aus Wind und Sonne. Das ist vor allem dem Mehrheitseigner, dem grün-rot regierten Land Baden-Württemberg, viel zu wenig. Auch deshalb hatte es Mastiaux von Eon geholt, der bei den Düsseldorfern den Geschäftszweig Ökostrom aufgebaut hatte.

Durch das kräftige Wachstum erneuerbarer Energien sinkt die Wirtschaftlichkeit von konventionellen Kraftwerken. Gaskraftwerke werden Mastiaux zufolge um weniger als hundert Stunden im Jahr ausgelastet. Branchenweit stecken fast alle Gaskraftwerke in roten Zahlen.

Zu den Details der geplanten Verkäufen ließ sich der EnBW-Chef nur wenig entlocken. Auch zu den Stadtwerken Düsseldorf, an denen EnBW fast 55 Prozent hält, sagte Mastiaux nichts. Hier wartet man die neue Strategie und ihre Folgen für Düsseldorf erst mal gelassen ab, heißt es in Stadtwerke-Kreisen.

Von den angepeilten Einnahmen aus Verkäufen von 1,5 Milliarden Euro seien inzwischen 500 Millionen Euro realisiert. Den Rest will EnBW bis 2014 vereinnahmen. Wie aus Branchen-Kreisen verlautet, wird ein Verkauf des Gasnetzes und des Mannheimer Versorgers MVV geprüft.